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Sommertheater en miniature
Was die Großen in Berlin können, haben die kaum Kleineren in Artern natürlich genauso drauf. Und weil die Sommerpause gewöhnlich ebenso lang wie langweilig ist, eignet sie sich prächtig für ein klein wenig Sommertheater. Als "Sommertheater" werden gemeinhin die zumeist recht absurden Gedankenspiele von vorwiegend auf den hintersten Bänken im Parlament sitzenden Abgeordneten bezeichnet. Die melden sich immer dann zu Wort, wenn die wirklich Wichtigen aus der Fraktion im Urlaub sind. Auch in Thüringen haben wir zurzeit Ferien, weswegen die Gerüchte wieder einmal ins Kraut schießen. Derzeit beliebtestes Thema auf den kommunalpolitischen Grillfeiern - Arterns Bürgermeister Wolfgang Koenen (PDS) soll angeblich im kommenden Jahr aus gesundheitlichen Gründen zurück treten. Auch sein Nachfolger soll bereits feststehen: Torsten Blümel (PDS), gerade frisch bei der Wahl zum ehrenamtlichen Beigeordneten durchgefallen, soll sich nach Koenens Rücktritt bereit halten. Wie alle Gedankenkonstruktionen sind auch hierbei die mitvermittelten Details fein aufeinander abgestimmt: Koenen habe nach dann sieben Jahren im Amt Anspruch auf die Bürgermeister-Altersversorgung und sei ohnehin amtsmüde, Blümel wiederum als Wahlkreismitarbeiter von PDS-Landtagsabgeordneter Kersten Naumann zeitlich flexibel und jederzeit verfügbar. Passt alles wunderbar zusammen, stimmt aber nicht. Zumindest, wenn man den beiden Männern Glauben schenkt, um die sich die ganzen Gerüchte ranken. "Ich denke auf keinen Fall daran, nächstes Jahr aufzuhören", sagte Koenen im Gespräch mit dieser Zeitung. Er könne sich allerdings erklären, wie das Gerücht entstanden sei, sagte er. Ab und an, wenn die Frustration über die personelle schwierige Zusammenarbeit mit dem Stadtrat zu groß wurde, "habe ich mir schon über das Thema Gedanken gemacht." Aber die Ankündigungen, alles hinzuwerfen, wenn man ihn weiter so ärgere "habe ich mehr im Spaß gemacht." Auch Torsten Blümel dementierte entschieden. Man möchte meinen, dass es in der Stadt auch Dringenderes zu bereden gebe. Zum Beispiel, wer Ende August nun letztendlich den Zuschlag für den Kauf des Arterner Altenheimes bekommen soll. Als besonders heißer Kandidat gilt bislang der Hamburger Rolf Haufs, dessen Name mittlerweile auch von der Liste der Wirtschaftsfahndung im Internet verschwunden ist. "Herr Haufs hat nach den Veröffentlichungen in der ´Thüringer Allgemeine´ das Gespräch mit uns gesucht und Zweifel ausgeräumt", so Koenen weiter. Allerdings habe sich noch eine weitere Firma aus Sachsen-Anhalt interessiert, wolle noch in diesen Tagen ein schriftliches Angebot unterbreiten. Dann würde das alles ordentlich aufbereitet und dem Stadtrat rechtzeitig vor der Sitzung zugänglich gemacht, versprach Koenen. Im Heim selbst würde alles bis dahin weiter seinen geregelten Gang gehen. Der Bürgermeister, der nach der Dauererkrankung des Geschäftsführers Dieter Weidemann auch ehrenamtlich über die Geschäfte des Heims wacht, dementierte Aussagen, nach denen das Heim schon wieder mal vor der Pleite steht. Erst Ende 2003 hatte nur eine Gewinnentnahme aus der Aratora Wohnungsbaugesellschaft verhindert, dass für das Heim Insolvenz angemeldet werden musste. Ohne eine Erweiterung ist nicht mit einer Erholung zu rechnen. 23.07.2004 Von Sebastian TAUCHNITZ
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