Tränen vor der Leinwand


ARTERN (st). Kuno Rößler sitzt in der ersten Reihe der Arterner Freilichtbühne, kämpft mit den Tränen. Gerade flimmert der erste Eiswerbespot über die Leinwand. "15 Jahre habe ich auf diesen Moment gewartet", sagt Arterns "Mister Kino" mit belegter Stimme. Er erzählt von der Zeit vor der Wende, als Tausende im Sommer zum Freiluftkino auf die Freilichtbühne pilgerten. Bitterkeit mischt sich in seine Stimme, als er an die wilde Zeit nach der Wende erinnert. Immer wieder hat er gesagt, sie sollen die Technik stehen lassen: "Aber es musste ja alles weg, was aus dem Osten war." Die Freilichtkinotradition starb. All die Jahre versuchte Rößler, sie zu beleben. Jetzt ist es gelungen. Gut 250 Leute sitzen auf den frisch sanierten Stufen, knabbern Popcorn und warten auf die Fortsetzung von "Spiderman". "Ich habe immer gesagt, ich mache nur Freilichtkino, wenn ich den Leuten auch etwas Ordentliches bieten kann", so Rößler. In den vergangenen Jahren seien immer mal wieder irgendwelche Anbieter aufgetaucht, hätten "irgendwelche Landfilmprojektoren angeschleppt und Leinwände, die sechs mal sechs Meter groß waren - lächerlich". Wenn Freilichtkino, dann richtig. Die Arterner staunten nicht schlecht, was Kuno Rößler unter "richtigem" Kino versteht. 19 Meter breit und achteinhalb Meter hoch ist die Leinwand, die selbst die meisten modernen Multiplexkinos blass vor Neid werden ließe. Der Sound, der aus den beiden riesigen Boxen links und rechts der Leinwand dringt, lässt einem zumindest in den vorderen Reihen die Hosenbeine flattern.

Die Sicht ist Dank des steilen Anstiegs der Sitzreihen bestens, die Temperaturen könnten angenehmer nicht sein. Dreiviertel Zehn ist es dunkel genug, damit Filmvorführer Karl-Heinz Rausch in seinem frisch sanierten und kreischbunt besprühten Vorführhäuschen den Projektor anwerfen kann. Damit die Kontraste richtig zur Geltung kommen, muss die Technik stimmen.

Etwa nach einer Stunde muss er dann zeigen, was er in all den Jahren als Vorführer gelernt hat. Denn dann müssen die riesigen und schweren Filmrollen umgehängt werden. Schließlich gibt es nur einen Projektor und auch sonst ist aufwändige Technik Mangelware - "´s ist halt Freilichtkino", so Rausch. Und den Leuten gefällt es.

Während der Spinnenmann über die Leinwand turnt, bummeln sie zum Bierstand und genehmigen sich ein kühles Blondes. Die PDS-Stadtratsfraktion ist komplett zum Kinogucken angetreten, Uwe Baumann vom Stadtentwicklungsverein strahlt,, schließlich war es das Geld seines Vereins, das es ermöglichte, hier ein Freilichtkino zu veranstalten. Und das soll keine Eintagsfliege werden. Freitag läuft "Mädchen, Mädchen", Bully und sein "Traumschiff Surprise, Episode 1" starten am Brunnenfestsonntag in Richtung Kinoolymp. So besehen haben auch die Mücken ihre Festwochen - das Buffet wird auch in den kommenden Wochen wieder ähnlich reichhaltig gedeckt sein . . .

19.07.2004