Große Komödie


Recycling ist zweifelsohne eine feine Sache. Natürliche Ressourcen werden geschont, das persönliche Umweltgewissen besänftigt. Doch stellt sich die Frage, wie weit man dafür gehen möchte - im wahrsten Sinne des Wortes.

Es war nur eine kleine Meldung in "Thüringer Allgemeine". Doch dafür sorgte sie für gehörigen Wirbel. Dieser Tage teilte das Landratsamt des Kyffhäuserkreises mit, dass es künftig nur noch vier Standorte für Altglascontainer in Artern geben werde - den Parkplatz am Möbelhaus Weschke, am Bahnhof, am ehemaligen Pförtnerhäuschen des Landratsamtes an der Ecke Bergstraße/Lange Hohle und einige Schritte weiter an der Einfahrt zur Berufsschule. Zu Recht entbrannte unter den Arternern wütender Protest, denn schaut man sich einmal die Standorte der Glascontainer auf dem Stadtplan an, so ist zu sehen, dass das gesamte Zentrum weiträumig gemieden wird. Und da es wohl niemandem zuzumuten ist, bepackt mit den leeren Flaschen und Gläsern bis ins Gewerbegebiet zu wandern, bedeutet dies nur zwei Optionen: entweder, man fährt mit dem Auto zum Glascontainer, was unter dem ökologischen Gesichtspunkt kompletter Schwachsinn wäre, denn durch die Fahrt würde der Umwelt mehr geschadet als durchs Recycling genutzt. Oder - besonders für die älteren Arterner ohne Auto die einzige Möglichkeit - man schmeißt die Gläser halt mit in den Müll. Blieb nur die Frage, warum der Kreis auf einmal alle zentral gelegenen Altglassammelstellen abschaffen wollte. Die Antwort wusste Torsten Blümel (PDS). Er berichtete, dass Bürgermeister Wolfgang Koenen (PDS) auf einer Sitzung des Gemeinde- und Städtebundes erfahren habe, dass der Kreis für die Aufstellung der Glascontainer 1,50 Euro pro Jahr und Einwohner vom "Grünen Punkt" kassiere. Von dem Geld sei allerdings nie etwas in Artern angekommen, so Koenen gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Daher habe er sich mit dem Ansinnen an den Kreis gewandt, Miete für die Stellplätze in der Stadt zu kassieren. Schließlich braucht auch die Kommune jeden Euro. Da der Kreis von diesem Betrag auch noch einige andere Ausgaben - etwa für entsprechende Veröffentlichungen - zu tragen hatte, habe er auf Empfehlung der Gemeinde- und Städtebundes eine Miete von rund einem Euro pro Einwohner gefordert, so Koenen.

Beim Kreis sah man das anders, als "Thüringer Allgemeine" zum ersten Mal in diesem Zusammenhang nachfragte. "Artern wollte das ganze Geld, das der Kreis für diese Dienstleistung bekommt. Das geht natürlich nicht. Daher werden wir die Glascontainer nur noch auf Grundstücken aufstellen, die dem Kreis gehören - eben den vier genannten", so die Pressesprecherin des Landratsamtes. Gestern dann die überraschende Kehrtwende. Denn in Artern hatte man zwischenzeitlich erfahren, dass auch die Kreisstadt Sondershausen einen Anteil an der Abgabe erhält. "Ich habe mich mit dem entsprechenden Amtsleiter dann sehr schnell auf eine Regelung einigen können", sagte Koenen gestern. Auch Artern erhalte ab sofort eine Miete von 0,80 bis 1,80 Euro pro Quadratmeter - je nach Bodenrichtwert. Daher gibt es jetzt doch wieder insgesamt neun Altglassammelstellen im Stadtgebiet. Zusätzlich zu den eingangs genannten sind dies: der Parkplatz in der Grabenstraße, der Obere Hof, die Schönfelder Straße, die Karl-Liebknecht-Straße und die Ankerallee. Somit dürfte auch in Zukunft die Weinflasche und das Gurkenglas vom vergangenen Abend zu Fuß in den dazu passenden Container gebracht werden können. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass der Kreis sich jetzt nicht bei jeder einzelnen Kommune, die ähnliche Forderungen aufmacht, so auf die Hinterbeine stellt wie im Fall Artern.

16.07.2004 Von Sebastian TAUCHNITZ