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Die Leitungen glühen
Dienstag schlägt die Stunde der Wahrheit. Normalerweise sind konstituierende Sitzungen eines neu gewählten Stadtrats immer beschaulich, getragen, ein wenig feierlich. Aber Artern wäre nicht Artern, wenn es nicht auch dabei schon zum Eklat kommen könnte. Schließlich werden nicht nur die neuen Räte per Handschlag verpflichtet, es geht auch um Handfestes. Der einzig verbliebene einflussreiche Posten im Stadtrat ist zu vergeben - der des ersten Beigeordneten. Um den Platz des Stellvertreters von Bürgermeister Wolfgang Koenen (PDS) balgen sich dem Vernehmen nach beide großen Fraktionen im Rat. Die PDS als neue starke Kraft im Plenum erhebt natürlich Ansprüche darauf, den Beigeordneten zu stellen. Nominiert werden soll Torsten Blümel, der in der letzten Legislatur den mittlerweile abgeschafften Posten des zweiten Beigeordneten inne hatte. Doch auch die CDU will den stellvertretenden Bürgermeister stellen. Aller Voraussicht nach wird sich Fraktionschef Jens Krautwurst zur Wahl stellen. Warum ist der Stellvertreterposten eigentlich so begehrt? Ums Geld geht´s eigentlich nicht. Zwar schielte früher so mancher auf damit verbundene Aufwandsentschädigung, heute aber geht es darum, wie bequem Koenen regieren kann. Wenn sein treuer Knappe Blümel gewählt wird, dürfte ein sehr harmonisches Klima im Rathaus herrschen. Mit der Konsequenz, dass dabei auch viel unter der Decke gehalten würde. Krautwurst indes wäre so etwas wie der Stachel im Fleisch der Stadtverwaltung. Auch deshalb, weil die Union bereits im Wahlprogramm ankündigte, dass der erste Beigeordnete in Zukunft ein Amt leiten soll. Viel Arbeit für einen Ehrenamtlichen, aber auch viel Macht, wenn man wie Krautwurst mit dem Finanzressort liebäugelt. Deswegen glühen momentan auch die Leitungen. Denn die PDS ist zwar stärkste Fraktion im Rat, hat aber nicht die absolute Mehrheit. Will sie Blümel durchbringen, muss sich wenigsten einer der drei verbliebenen SPD-Abgeordneten bei der Abstimmung enthalten. Doch danach sieht es momentan nicht aus. Denn Torsten Blümel hat im Bemühen, seinem Bürgermeister den Rücken zu stärken, wohl zu oft den verbalen Vorschlaghammer rausgeholt, gilt als nicht vermittelbar. Jemand anderen wollte die PDS nicht nominieren. Also doch Krautwurst? Hier sorgen sich viele, ob der vielbeschäftigte Banker die Zeit finden würde, sich dem Amt zu widmen. Und auch Koenen muss erst davon überzeugt werden, dem ersten Beigeordneten ein Ressort zu überlassen. Es bleibt also weiterhin spannend. 08.07.2004 Von Sebastian TAUCHNITZ
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