Manch Unerwartetes


Die Wahlbeteiligung in den einzelnen Orten im Kyffhäuserkreis schwankte gestern zwischen 30 und über 90 Prozent. Je größer die Orte, desto weniger Wähler suchten einen der 126 Stimmbezirke auf. Gegen 23 Uhr lag die Wahlbeteiligung im Durchschnitt mit 54 Prozent aber noch weit über Landesdurchschnitt, wo nur gut jeder Dritte seine Stimme abgab. Was den Wählertrend angeht, reihten sich die Leute im Kreis aber in den Landestrend ein.

Und der sah ein weiteres Abwatschen der SPD und kleinere Verluste für die CDU vor. Die Verluste für die SPD waren noch größer als bei dem Erdrutsch-Ergebnis von vor zwei Wochen, als der Landtag gewählt wurde. In manchen Orten büßten die Sozialdemokraten bis 27 Prozent ihrer Stimmen gegenüber der Kommunalwahl von 1999 ein. Dieser Trend konnte selbst in den Städten und Gemeinden, in denen SPD-Bürgermeister am Ruder sind, nur abgemildert werden, wie zum Beispiel in den Städten Ebeleben und Greußen. Während die CDU ihre Gewinne und Verluste halbwegs ausgleichen konnte, legte die PDS fast überall, wo sie Kandidaten ins Rennen geschickt hatte, erheblich zu. In den meisten Orten konnte die PDS all die Stimmen auffangen, die die SPD abgeben musste. In Artern konnte die CDU im Vergleich zu 1999 zwar auch mit 8,4 Prozent erheblich auf 40,5 Prozent zulegen, kam aber beim Kreistagsergebnis nicht an die PDS heran, die hier 43,1 Prozent holte. Ähnlich verhält es sich bei der Zusammensetzung des künftigen Arterner Stadtrates. Hier hat die CDU acht Sitze, die PDS 9 und die SPD nur noch drei Sitze. Die große Überraschung beim Kreistagsergebnis nach der Auszählung von 53 der 126 Stimmbezirke ist aber nicht, dass die SPD nur noch überall höchstens die dritte Kraft im politischen Spektrum darstellt, sondern dass der Volksinteressenbund Thüringen (VIBT) wohl künftig auch im Kyffhäuserkreistag mindestens drei Sitze hat und damit vorläufig ähnlich stark ist wie die FDP.

Wenn dieser Wahltrend bis zum Schluss weiter anhält, wird das Regieren für Landrat Peter Hengstermann (CDU) im künftigen Kreistag ungleich schwerer. Zudem wird es eine Menge neuer Gesichter geben, auf die man sich erst noch einstellen muss. Welche Koalitionen geschmiedet werden ist demnach noch völlig offen. Beim Einlauf der einzelnen Wahlergebnisse gestern Abend im Landratsamt interessierte den Landrat aber auch, wieviele Stimmen er und Gudrun Holbe als die Spitzenkandidaten für die CDU geholt haben. Hierbei lagen beide fast gleich auf. Im Ostkreis zog Gudrun Holbe meist etwas mehr Stimmen, im Westkreis wiederum Peter Hengstermann. Beide erwiesen sich somit als Zugpferde auf der Kreistagsliste und sorgten dafür, dass die CDU auch künftig die meisten Sitze auf Kreisebene besetzen kann. Für einige Überraschungen sorgten die Wähler in den kleineren Orten. So mussten zum Beispiel Amtsinhaber Heinz Lange in Voigtstedt, Karin Haarseim in Heygendorf, Horst Reinboth in Bendeleben, Erika Müller (PDS) in Oberspier, Siegfried Krause (FDP) in Badra und Jutta Hutmacher (CDU) in Großfurra gehen. In Steinthaleben gewann den Bruderkampf endgültig Bernd Nawrodt gegen Hilmar Nawrodt (SPD), die nur noch einen Sitz im Gemeinderat hat. Erneut an die Wahlurnen müssen die Bürger am 11. Juli in Reinsdorf und Schernberg treten, da hier keiner der Kandidaten die Mehrheit der abgegebenen Stimmen für sich verbuchen konnte. Die wirklich große Überraschung gelang allerdings der Neuen Unabhängigen Bürgerinitiative in Sondershausen (NUBI), die sich nach inoffiziellen Meldungen noch vor die SPD schieben konnte. Damit wäre der Bürgerinitiative auf Anhieb ein Erfolg geglückt, mit dem kein Spitzenpolitiker im Kreis gerechnet hatte. Damit machte die NUBI in der Kreisstadt vor, was viele Bürgerinitiativen in den kleineren Städten und Gemeinden ihr gleich taten. Sie schickten die etablierten Parteien in die Wüste und machen hoffentlich künftig ausschließlich Politik im Interesse einer breiten Wählerschicht.

Da die Stadt Sondershausen bis nach 23 Uhr noch nicht alle Stimmen ausgezählt hatte, kann das genaue Wahlergebnis noch nicht genannt werden. Jedoch holten sich die NUBI-Vertreter die Ergebnisse selbst in den einzelnen 16 Stimmbezirken zusammen, da diese in Teilen schon gegen 21 Uhr ausgezählt waren. Landrat Hengstermann und seine Frau hielten sich gemeinsam mit Ex-Bundestagsabgeordnetem Johannes Selle im Wahlbüro im Landratsamt auf dem Laufenden und wollten noch keinen wirklichen Trend ausmachen, bevor die großen Städte nicht ausgezählt sind. In der "Posthalterei" nebenan "leckte man schon mal seine Wunden", was den Verlust des Ortsbürgermeisteramtes in Großfurra für die CDU betriftt. Die Vertreter der NUBI feierten unterdessen in der "Klause" in der Kreisstadt. Die Grünen hatten gar nicht erst eine Feier geplant und die SPD ließ sich bis auf Vize-Landrat Georg Schäfer gar nicht in der Öffentlichkeit blicken. SPD-Kreisvorsitzende Cornelia Kraffzick hatte vorab gegenüber TA erklärt, dass man nicht feiern werde, die Kreistagsergebnisse ja ohnehin erst heute gegen 13 Uhr vorliegen würden. Doch auch hier lag sie falsch.