Siechtum


Eigentlich sollte, so hatten es etliche Stadträte vollmundig verkündet, der Verkauf des Altenheims bis zur Kommunalwahl unter Dach und Fach sein. Am Sonntag ist nun Kommunalwahl. Und ein Verkaufsbeschluss ist noch lange nicht in Sicht.

Mittlerweile hat wohl auch der letzte die Übersicht darüber verloren, seit wann das Altenheim am Salinepark denn nun schon verkauft werden soll. Mehrere Ausschreibungen gingen erfolglos ins Land, nun wird immer wieder verkündet, die Verhandlungen mit den mittlerweile vier potenziellen Investoren, die das Haus übernehmen wollen, stünden kurz vor dem Abschluss. Doch zu eben diesem kommt es irgendwie nicht. Statt dessen türmen sich wieder einmal die Probleme. Der dauererkrankte Geschäftsführer und Heimleiter Dieter Weidemann, seinerzeit auf Druck von Bernd Reiber (SPD) und Bürgermeister Wolfgang Koenen (PDS) auf seinen Stuhl gehoben, lässt sich seit mehr als einem halben Jahr nicht mehr in der Einrichtung blicken. Seitdem fungiert Koenen als kommissarischer Geschäftsführer. Doch nebenbei hat er auch noch eine Stadt zu regieren und eine Verwaltung zu leiten. Derweil geriet das Heim immer mehr finanziell ins Trudeln. Die von den Kassen gezahlten Pflegesätze sind gering, die Einrichtung insgesamt zu klein, um sich auf Dauer zu rechnen. Nur um die laufenden Verbindlichkeiten decken zu können, entnahm Koenen zum Jahreswechsel per Eilbeschluss Geld aus der Aratora Wohnungsbaugesellschaft. Dem Vernehmen nach sind diese Mittel nun aufgebraucht. Weiteres Geld gibt es nicht. Die Banken haben längst abgewunken, wenn ein Kredit für das Heim aufgenommen werden soll, bei der Aratora ist nichts mehr zu holen, schließlich soll auch sie demnächst verkauft werden. Koenen sieht das Heim derweil finanziell nicht gefährdet. "Am Monatsende ist noch lange nicht Schluss", sagte er mit Blick auf die Zahlen. Auch bei den Verhandlungen mit den Investoren will er ein gutes Stück weiter gekommen sein. "Ich habe unsere Erwartungen klar formuliert", berichtete er von den Verhandlungen. Welche Erwartungen das seien? "Es muss am Ende zumindest so viel Geld heraus kommen, wie wir herein gesteckt haben", so Koenen weiter. Offen ließ er auch gestern, wann das Heim nun endgültig verkauft werden soll. Auf alle Fälle soll bei der konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrats noch kein entsprechender Beschluss gefällt werden. Also frühestens im August könnte einer der Interessenten den Zuschlag bekommen. Derweil müssen die Angestellten im Heim auch weiterhin nahezu ohne Führung, aber dafür mit ungewisser Zukunft versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Der hohe Krankenstand beim Pflegepersonal spricht eine deutliche Sprache über die Stimmung unter der Belegschaft. "Ja, wir mussten mittelweile befristete Einstellungen vornehmen und Arbeitslose über einen Nebenverdienst beschäftigen", bestätigte Koenen. Neue Pflegesatzverhandlungen hat er noch nicht aufgenommen. Darüber werde man sich Gedanken machen, wenn die Verkaufsverhandlungen erneut scheitern würden. Wenn es da mal nicht zu spät ist.

21.06.2004 Von Sebastian TAUCHNITZ