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Aratora offiziell im Angebot
Im Onlinearchiv der "Thüringer Allgemeine" finden sich, wenn man "Aratora Verkauf Artern" eingibt, 653 Treffer in 71 Dokumenten seit Anfang 2000. Kaum ein Thema außer der immerwährenden Finanzmisere hat Stadtrat und Bevölkerung so beschäftigt wie der chronisch umstrittene Verkauf der Aratora-Wohnungsbaugesellschaft mbH. Nun ist es so weit: In der wahrscheinlich letzten Sitzung vor der Kommunalwahl hat der Stadtrat bei nur einer Enthaltung einen Grundsatzbeschluss zum Verkauf getroffen. Den Weg frei gemacht hatte die neuerdings enge Zusammenarbeit der drei Fraktionsspitzen Jens Krautwurst (CDU), Bernd Reiber (SPD) und Kai Blümel (PDS). In den vergangenen Monaten habe man sich - auch gegen Widerstände aus den eigenen Reihen - zusammengerauft und den für die Zukunft der Stadt bedeutsamen Schritt auf den Weg gebracht. An den Grundsatzbeschluss zum Verkauf der Geschäftsanteile am kommunalen Wohnungsunternehmen sind allerdings Bedingungen geknüpft. Denn es soll verhindert werden, dass der Verkaufserlös einfach verplempert wird, weil die Stadt nicht alle Einsparmöglichkeiten ausgeschöpft hat. Denn wenn die Aratora wirklich komplett verkauft werden sollte, ist vorgesehen, den Reinerlös komplett dazu zu verwenden, die horrenden Schulden zu tilgen, die der Stadt die Luft zum Atmen nehmen. Damit dies passieren kann, müssen folgende Maßnahmen zuvor umgesetzt sein. Als erstes muss die Stadtverwaltung prüfen, welche ihrer Aufgaben kostengünstiger von Dritten erledigt werden können, welche anderen eventuell eingestellt werden können. Dazu müssen alle Dienstleistungen, die für Dritte erbracht werden, ab sofort kostendeckend berechnet werden. Im Rathaus sollen Organisationsabläufe untersucht und optimiert werden. Alles mit Blick auf mögliche Einsparpotenziale - auch im personellen Bereich. Dazu passend auch die Forderung nach der Abgabe eines konkreten Angebots an die Verwaltungsgemeinschaft "Mittelzentrum Artern", Kämmerei und Bauamt künftig gemeinsam zu betreiben. Bevor mit der Aratora das letzte der Stadt verbliebene Tafelsilber verschachert wird, sollen auch noch andere Grundstücke der Stadt zu Tilgungszwecken verkauft werden. Schließlich und letztlich muss auch der Verkauf des Städtischen Altenheims unter Dach und Fach sein, bevor der Stadtrat seine Zustimmung zur Veräußerung geben kann. Dennoch hat Bürgermeister Wolfgang Koenen (PDS) nun die Möglichkeit, im Rahmen einer Ausschreibung nach Interessenten zu suchen. Ein möglicher Käufer bekundete gestern auf Nachfrage der "Thüringer Allgemeine" bereits Interesse: "Ja, wir könnten uns gut vorstellen, die Aratora-Wohnungsbaugesellschaft zu erwerben", erklärte Stefan Albe, Chef der Arterner Wohnungsbaugenossenschaft. Bereits in der Vergangenheit hatte die Genossenschaft immer wieder als möglicher Käufer gegolten, gestern nun sprach Albe nun auch öffentlich darüber. Das Zusammengehen der beiden Arterner Wohnungsbaugesellschaften habe unbestreitbare Vorteile. So sei die AWG ein vor Ort etabliertes und seriöses Unternehmen, zudem könnte bei einem gemeinsamen Bestand auch aus wohnungspolitischer Sicht der Stadtumbau Ost am effektivsten betrieben werden. Allerdings werde die Genossenschaft nicht um jeden Preis die Wohnungen übernehmen. "Die Genossenschaft hat nicht die Aufgabe, die Stadt finanziell zu sanieren. Eine Übernahme muss sich auf alle Fälle auch rechnen", so Albe. Ob der im Stadtrat veranschlagte Kaufpreis von vier bis fünf Millionen Euro realitätsnah sei, mochte Albe ohne genaues Studium der Aratora-Bücher nicht sagen. Er deutete jedoch an, dass der Kaufpreis das Zwanzigfache der durchschnittlichen Jahresergebnisse nicht überschreiten solle. Das würde allerdings bedeuten, dass nicht allzu viel im Stadtsäckel landen würde, lag der letzte Jahresabschluss der Aratora doch gerade mal bei einer schwarzen Null, wurde ein Jahresüberschuss von 2507 Euro erwirtschaftet (TA berichtete). Fragen, die keiner der anwesenden Stadträte stellte, formulierte anschließend ein nur mühsam beherrschter Bürger Manfred Gerboth. Als die Aratora gegründet worden sei, habe man vor allem sicherstellen wollen, dass hunderte Arterner sozialverträglich Wohnen können. Was nun mit den Mietern werde, fragte er. Koenen entgegnete darauf, dass das Überangebot an Wohnungen in Ostdeutschland ohnehin weder Mieterhöhungen noch Vermieterwillkür zulassen würde. Gerboth bohrte weiter. Die Mitarbeiter - allen voran Geschäftsführerin Edeltraud Rüde - hätten Herausragendes geleistet, das Unternehmen jederzeit gut geführt. Er wollte wissen, ob schon das Gespräch mit ihnen gesucht worden sei, um die durch die jahrelange Debatte geschürten Ängste zu beruhigen. Was nun mit ihnen werde, müsse man sehen, entgegnete Bürgermeister Wolfgang Koenen. Er werde sich in den Verkaufsverhandlungen für einen weitreichenden Mitarbeiterschutz stark machen, versprach er, vermied es aber dabei konkreter zu werden. Auf die Nachfrage Gerboths, welche Geschäftsanteile nun wirklich verkauft werden sollen, antwortete Koenen: "Möglichst alle. Es sei denn, dass aus steuerlichen Gründen ein geringer Anteil bei der Stadt verbleiben würde." Er schloss auch nicht aus, dass man unter Umständen einige Anteile behalte, um sich später ein - wenn auch kleines - Mitspracherecht zu sichern. Schließlich sind viele Arterner auch Mieter bei der Aratora. 27.04.2004 Von Sebastian TAUCHNITZ
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