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Stühlerücken im Altenheim
Von wegen Sommerpause. In Artern brennt es an allen Ecken - bildlich gesprochen. Zu den galoppierenden Finanzproblemen gesellen sich jetzt auch noch Sorgen um das stadteigene Altersheim. Bürgermeister Wolfgang Koenen (PDS) hat´s nicht leicht gegen Ende seiner ersten Amtszeit. Von Sebastian TAUCHNITZ Plötzlich und unerwartet flatterten gleich zwei Kündigungsschreiben auf den Tisch der Stadtverwaltung. Zunächst verabschiedete sich die bisherige Pflegedienstleiterin Gabriele Reinhardt. Sie übernahm die Leitung des nagelneuen AWO-Pflegeheimes in Roßleben. Wenig später bat auch Geschäftsführer Friedhelm Mötzing um Freistellung. Er wollte damit seine Forderung, ihm und den Mitarbeitern ein so genanntes Management-Buyout zu ermöglichen, untermauern. Eben dieses Ansinnen bringt die Stadträte nun gehörig in die Bredouille. Denn es muss schnellstmöglich ein Ersatz für Mötzing und Reinhardt gefunden werden. Wie dieser Ersatz aussehen soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die CDU forderte in einer Presseerklärung, die Stadt solle umgehend das Gespräch mit Mötzing suchen und ihn überzeugen, dass er noch bis wenigstens zum Jahresende die Geschäfte weiter führt. Fraktionschef Jens Krautwurst dazu: "Mötzing hat hervorragende Arbeit geleistet, dafür gesorgt, dass die Liquiditätsprobleme des Altenheimes mittlerweile gelöst sind. Warum sollte man ihn nicht bitten, bis zum Ende der zweiten Ausschreibung zum Altenheimverkauf die Geschäfte weiter zu führen?" Bürgermeister Wolfgang Koenen (PDS) will nach eigenen Angaben demnächst eine erneute Ausschreibung starten, nachdem die erste insbesondere beim Kaufpreis keine befriedigenden Angebote einbrachte. Die Stadt hatte mit einem Erlös von rund 750 000 Euro gerechnet, das höchste Angebot belief sich auf kümmerliche 100 000 Euro (TA berichtete). Nun soll eine Beraterfirma helfen, mehr Geld zu erzielen. Die dürfte als erstes den umfangreichen Mitarbeiterschutz aus dem Ausschreibungstext streichen, den der Stadtrat darin beim ersten Mal verankert hatte. Das wäre sehr zum Missfallen der Belegschaft, die sich nicht zuletzt deswegen selbst um den Kauf des Altenheimes bemühen will, um die über 30 Jobs dort zu sichern. Doch im Poker um die höchste Kaufsumme dürften die Mitarbeiter schlechte Karten haben. Bürgermeister Koenen erklärte bereits, er werde "nach Ende der Ausschreibung das Angebot der Mitarbeiter wie jedes andere auch prüfen", Torsten Blümel (PDS) meinte, "dass der von den Mitarbeitern gebotene Kaufpreis am Ende nicht reichen wird." Denn wenn man am Ende nicht viel mehr als den symbolischen Euro für die Einrichtung bekäme, könne sie die Stadt genauso gut behalten. Zudem befürchten viele außerhalb der CDU, Mötzing würde in den kommenden Monaten womöglich andere Inter-essenten vergraulen, um sein Angebot doch noch durch zu bekommen. Daher sucht man zurzeit fieberhaft nach einem Nachfolger. Und wurde zumindest teilweise fündig: Dieter Weidemann, bislang Beratungsstellenleiter der Arterner Arbeitsloseninitiative, bestätigte gestern auf Anfrage der "Thüringer Allgemeine", dass er ab dem 15. September Heimleiter an der Saline wird. Der Aufsichtsrat habe seiner Berufung bereits zugestimmt. Über die gleichzeitige Übernahme des Geschäftsführeramtes verhandele er noch mit der Stadt, so Weidemann. Eine Entscheidung werde frühestens Ende der nächsten Woche fallen. Damit würde allerdings die bisher betriebene Trennung von Heimleitung und Geschäftsführung aufgehoben. Weidemann wäre dann sowohl für den Heimbetrieb als auch die Bilanzerstellung und die Pflegesatzverhandlungen verantwortlich. Eine Aufgabe, für die Mötzing immerhin 40 Stunden pro Monat benötigte. Es wird also auch weiter keine Ruhe im Gezerre um das Arterner Altenheim geben. 15.08.2003
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