Planspiel Eingemeindung


ARTERN (st). Am 28. September sind Bürgermeisterwahlen in Artern. "Thüringer Allgemeine" fühlte Amtsinhaber Wolfgang Koenen (PDS) sowie den Bewerbern Sonja Helm (CDU) und Bernd Reiber (SPD) im Redaktionsgespräch auf den Zahn. Dabei wurden die drei Politiker auch gefragt, wie sie im Falle einer Wahl zum Bürgermeister mit den umliegenden Kommunen nach Möglichkeiten einer Eingemeindung suchen wollen. Bürgermeister Wolfgang Koenen (PDS) verwies in diesem Zusammenhang auf mehrere Gespräche, die er mit der Verwaltungsgemeinschaft "Mittelzentrum Artern" diesbezüglich geführt habe. Dabei seien einige Möglichkeiten offenbar geworden, wie Stadt und VG künftig sinnvoll kooperieren können. Dadurch ließen sich auch Mitarbeiter einsparen, wenn nach dem rentenbedingten Ausscheiden von Stadt- oder VG-Bediensteten Ämter zusammengelegt würden. Für Koenen ist es ohnehin nur noch eine Frage der Zeit, bis eine Eingemeindung der VG-Gemeinden durch Gesetzesänderungen oder die stetig sinkende Finanzkraft in Stadt und Dörfern unumgänglich sei. Je schneller man die Sache nun angehe, desto eher könnten alle von den Vorteilen einer großen Struktur profitieren, so Koenen. Zum Beispiel sei das Personalmanagement bei einer gemeinsamen Betreibung der Kindergärten in den einzelnen Orten wesentlich effektiver, urlaubs- oder krankheitsbedingte Ausfälle könnten leichter ausgeglichen werden. Ganz so euphorisch sah Sonja Helm (CDU) die Sache nicht. "Ob es klug ist, gleich alles einzugemeinden, sei dahingestellt", meinte sie. Statt dessen sollte man die Zusammenlegung der Ämter forcieren. Aus eigener Erfahrung als Schönfelder Ortsbürgermeisterin könne sie aber sagen, dass die Gemeinde mit der Eingemeindung nicht schlecht gefahren sei, heute gut dastehe. "Wichtig ist, dass wir einen guten Draht zu Verwaltung haben", so Helms Erfolgsrezept. Bernd Reiber (SPD) will das Pferd lieber von hinten aufzäumen. Er plädierte für die Einberufung eines "Arbeitskreises Eingemeindung", zu dem alle Bürgermeister der umliegenden Gemeinden eingeladen werden sollen. Spätestens nach der nächsten Kommunalwahl werde es auch dort großen Gesprächsbedarf geben, so Reiber. Denn: "Ich glaube nicht, dass sich in jedem Dorf ein Bürgermeister findet." Bis dahin müsse verstärkt daran gegangen werden, Synergien in den Verwaltungen zu finden - etwa durch den Aufbau einer gemeinsamen Kämmerei. Zudem sollte man ganz genau überlegen, was denn wirklich kommunale Pflichtaufgaben seien und was man eventuell kostengünstiger auslagern könnte. Reiber spielte damit auf eine alte SPD-Forderung an, das Bauamt zu schließen und die entsprechenden Aufgaben durch ein Ingenieurbüro wahrnehmen zu lassen.


17.07.2003